Platzverweis für eine Erbse
Informationen zur Veranstaltung
| Datum: | 04.05.2011 |
| Zeit: | Beginn 15:00 Uhr |
| Ort: | Bibliothek Mark Twain, Artothek |
| Zusatzinformation: | Eintritt frei, vorherige Anmeldung erforderlich |
Beschreibung
Renate Zimmermann liest in der Reihe
"Lebende Bücher".
Brustkrebs!
Der bösartige Brusttumor wird am häufigsten als Mammakarzinom bezeichnet.
Er kostet jährlich etwa 17000 Frauen das Leben, trotz zunehmender Chancen, diese Krankheit zu überwinden.
Aber er ist schwer zu heilen.
Obwohl die therapeutischen Erfolge groß sind, ist jeder Tumor anders.
Dies wird sehr oft erst im Laufe der Therapie erkannt. Krebs und gerade Brustkrebs ist also eine große Bedrohung und wird von den Frauen als eine solche empfunden.
Die Frauen, die diese Krankheit trifft, sind sehr oft noch jung.
Unerwartet stehen sie Gedanken an Krankheit und Tod gegenüber und sie empfinden diese Ausnahmesituation mit desto größerer Wucht.

Die Autorin Renate Zimmermann ist Bibliothekarin in der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain.
Sie hat ein Tagebuch über ihre Krebskrankheit geschrieben von der ersten Entdeckung des bösartigen Knotens bis zur Heilung und ihrer zweiten Rehabilitation in einer Klinik in Thüringen.
Es ist ehrlich und schonungslos, gegen sich selber und gegen die Krankheit.
Heilungschancen werden realistisch eingeschätzt, schmerzhafte und quälende Therapien beschrieben.
Dies geschieht ohne die geringste Eitelkeit und ohne Wehklagen.
Es ist ein täglicher Kampf um die Gesundung und um eine Rückkehr in das Leben.
Verzweifelte Tage stehen Stunden gegenüber, in denen wieder Mut gefasst wird.
Freude und Erleichterung über Hilfe und mitmenschliches Einfühlungsvermögen stehen Gefühlen gegenüber, in denen sich die Autorin wie aus der Welt gefallen fühlt, jenseits einer Grenze.
Das Buch ist ein Mutmachbuch nach einer bedrohlichen Krankheit- Krebs.
Das Protokoll der Krankheit und Genesung, Gedanken und Empfindungen. Sachlich, unsentimental und voller Eindringlichkeit.
Leseprobe aus "Platzverweis für eine Erbse"
Auszug mit Genehmigung der Autorin
Mittwoch, 1. Oktober 2008 9 Uhr.
Es ist soweit! Ich muss jetzt los. Bin sehr aufgeregt. Und ich habe ANGST!!
Aber es muss sein. Ich nehme all meinen Mut und Entschlossenheit zusammen und mache mich auf den Weg.
Viele Menschen sind jetzt in Gedanken bei mir und drücken die Daumen. Das hilft. Muss trotzdem heulen.
Erst um 16 Uhr bin ich wieder zu Hause. Mehr als drei Stunden hing ich am Tropf. Es lief alles gut, buchstäblich. Ständig musste ich, bedingt durch die Flüssigkeitszufuhr, zur Toilette, was aber nur möglich war, wenn ich "von der Leine" gelassen wurde.
Weil die gefährlichste Substanz ein Infusionsbeutel mit roter Flüssigkeit war, färbte sich auch der Urin giftrot und ist es immer noch. Selbst mein Körpergeruch steigt mir als widerlich chemisch in die Nase.
Trotzdem geht es mir relativ gut. Mir ist nicht übel, ich habe Appetit, besonders auf Butterbrot mit Tomaten, fühle mich nur etwas schlapp und verseucht und sehe aus wie eine Leiche.
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Habe die Nacht gut überstanden, allerdings mehr oder weniger schlaflos. Fühle mich besser, habe auch wieder Farbe im Gesicht. Bin mit Kerstin verabredet zum Mützenkauf. Suche mir zwei aus und passende Handschuhe dazu. Damit werde ich gut über die haarlose Zeit kommen.
Sonntag, 5. Oktober 2008
Bis auf diffuse Schmerzen auf der rechten Bauchseite geht es mir physisch gut.
Manchmal fehlt der Appetit, das kann nicht schaden.
Aber meine Psyche spielt verrückt. Ich kann das schwerer verkraften als gedacht und habe tatsächlich unter den angekündigten Stimmungsschwankungen zu leiden. Für mich eine völlig neue Erfahrung! Ich fühle mich vergiftet, so endgültig. Man kann nicht sagen: "Jetzt habe ich keine Lust mehr. Ich überlege es mir anders."
Das Gift ist drin, und ich fühle mich krank. Nichts ist daran zu ändern. Jedes Ziepen und Pieksen führe ich darauf zurück. Und ich weiß, das ist nur eine Kostprobe. 18 Wochen stehen wie eine Wand vor mir. Und der 22. Oktober ist ein schreckliches Datum!
Donnerstag, 16. Oktober 2008
Morgens beim Haare waschen fallen ganz viele aus. Ich überlege einen Moment, ob ich zur Maschine greife.
Zögere ich den Augenblick noch hinaus und riskiere dafür den Anblick von ausfallenden Haarbüscheln auf Kleidung, Fußboden und Kopfkissen? Nein! Egal, ob jetzt oder demnächst, der Moment der Entscheidung kommt mit Sicherheit.
Also setze ich kurzentschlossen an und rasiere mir den Kopf kahl.
Ich bin nicht traurig, ich finde es eher lustig und kann meinem Spiegelbild lachend begegnen. Sieht interessant aus!

