Archiv Ausstellungen 2008
Ausstellung in der Bibliothek Mark Twain
Trotz allem - ich lebe
Die Bilder der Wanderausstellung "Trotz allem – ich lebe" Kunststücke von Flüchtlingsfrauen sind vom 2. Juli bis 28. August 2008 in der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain zu sehen.
Das Projekt wird von UNO-Flüchtlingshilfe e.V. und dem Förderverein der Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf e.V. unterstützt.
Die Bilder entstanden in der Kunsttherapie im Evangelischen Zentrum für Beratung und Therapie – Haus am Weißen Stein in Frankfurt am Main.
Sie zeigen eindrücklich die Stärke und den Lebenswillen der Künstlerinnen, trotz allem, was sie erlebt haben. Im Malen haben die Frauen eine Form gefunden, ihre Erlebnisse auszudrücken und das Schweigen zu überwinden. Vier Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien, Liberia, Kurdistan und dem Iran stehen stellvertretend für viele Frauen bereit, ihr Schweigen zu überwinden und sich bildnerisch mitzuteilen.
"Kunststücke von Flüchtlingsfrauen", nicht zufällig wurde der doppeldeutige Untertitel gewählt. Den Frauen ist es gelungen, nach Deutschland zu kommen. Sie sind beharrlich den mühsamen Weg durch deutsche Ämter gegangen. Erfolgreich geflohen bedeutet aber nicht, dass der Schrecken des Erlebten spurlos vorbei ist. Auch Überleben und Weiterleben ist ein Kunststück.
Mit dieser Ausstellung laden wir ein, in die Gefühlswelt dieser Frauen einzutauchen, die Bilder zu betrachten und zu spüren, dass sie nicht nur erfahrenes Leid und Schmerz zeigen. Sie zeigen auch viel Kraft, Hoffnung und Stärke.
Ljuljeta A.
Ich wurde 1967 in Mitrovica / Kosovo geboren und lebte dort bis zum Kriegsbeginn 1999. Der Krieg zwang mich, meinen Mann und meine beiden Kinder, damals drei und fünf Jahre, unsere Heimat zu verlassen. Es war eine sehr schwere Zeit für meine Familie und mich. Im Sommer 2003 lernte ich das erste Mal die Kunsttherapie kennen. Schon als Kind habe ich sehr gerne gemalt und konnte hier einen Platz finden, der Schwere in mir etwas entgegen zu setzen.
Malen gibt mir das Gefühl einer großen inneren Freiheit. In der Kunsttherapie kann ich mir alles von der Seele malen, was mir eine große Erleichterung verschafft und mich meine Kraft spüren lässt.
Eva J.
Ich wurde 1972 in Monrovia/Liberia geboren und verbrachte dort eine wunderschöne Zeit mit meiner Familie und meinem Mann. Der Bürgerkrieg in Liberia veränderte mein Leben. Ich musste aus einem Versteck mit ansehen, wie meine gesamte Familie umgebracht wurde. Nach drei Monaten im Dschungel gelang mir 1996 die Flucht nach Deutschland. Wie ich das alles überstanden habe, weiß ich heute nicht mehr.
1999 lernte ich die Kunsttherapie kennen und konnte im Malen und Gestalten meine schrecklichen Erlebnisse bearbeiten. Schöne Erinnerungen an meine Heimat fanden ihren Platz und schenkten mir Trost und Hoffnung. Heute fühle ich mich meinem Schicksal nicht mehr hilflos ausgeliefert. Ich kann wieder schlafen und spüre ein Stück meiner alten Lebensfreude wieder.
Neriman S.
Ich wurde 1960 in Erzincan/Türkei geboren und verbrachte meine Schulzeit in Ankara. Dort entdeckte ich erstmals meine Vorliebe für Zeichnen und Malen, welche jedoch durch meine Ausbildung zur Buchhalterin sehr in den Hintergrund trat. 1997 kam ich nach Deutschland. Vor vier Jahren entdeckte ich durch die Kunsttherapie meine Leidenschaft für die Malerei wieder und entwickelte schnell Initiative zum eigenständigen Malen.
Das Interesse am Hobby wuchs stetig, so dass ich schon bald meine erste eigene Ausstellung in Offenbach hatte. Mein größter Wunsch ist es, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen und eine Kunstschule zu besuchen, um meine Fertigkeiten zu schulen und zu erweitern. Meine Malerei beschäftigt sich mit Motiven von Portraits über Landschaften bis hin zur abstrakten Malerei.
Maryam M.
Ich wurde 1977 in Teheran geboren und bin dort auch aufgewachsen. Schon als Kind entwickelte ich eine große Vorliebe fürs Zeichnen und Malen. Als junge Erwachsene begann ich 1998 ein Kunststudium an der Universität in Teheran entgegen dem Wunsch meiner Eltern, welche ein Medizinstudium bevorzugten.
Nebenher betrieb ich ein eigenes Atelier und verdiente mein Geld als Kinderbuchillustratorin und Bühnenbildnerin. 2001 mussten mein Mann und ich fluchtartig unser Land verlassen und in Deutschland ein neues Leben beginnen.
Im April 2003 hatte ich in der Kunsttherapie in Deutschland zum ersten Mal seit andethalb Jahren wieder einen Pinsel in der Hand. Durch die Wiederaufnahme meiner Malerei gewann ich meine alte Lebensfreude zurück, die nach der Flucht verschwunden war. Meine Lieblingsmotive sind die Blumen, da sie aus der dunklen Erde ans Licht kommen und dann ihre Farben und Schönheit entfalten.


