Story Teil 8 [Autor]
Als die beiden oben ankamen, sahen sie, wie ihre Mutter sich gerade auf Hotzenplotz stürzte, um ihm das Handy zu entreißen.
"Hier wird kein Petersilius Zwackelmann angerufen!", schrie sie. "Gerhard, so hilf mir doch!"
"Beiß ihn!", rief Gerhard seiner Frau zu. "Beiß ihn in die Hand!"
"Du sollst mir helfen, keine blöden Ratschläge geben!", schrie Aurore ihn an, während sie Hotzenplotz kräftig ans Schienbein trat.
"Au, verflucht!", brüllte dieser laut auf. "Jetzt hab ich die Faxen aber dicke! Security! Security!"
In diesem Moment entdeckte Gerhard seine beiden Kinder, die fassungslos kopfschüttelnd da standen und das kindische Treiben ihrer Eltern beobachteten.
"Mann, sind die peinlich", flüsterte Robert seiner Schwester zu, die bestätigend nickte.
"Anna!", rief Gerhard freudig. "Da bist du ja! Aurore, schau! Unsere Anna ist wieder da! Robert hat sie gefunden!"
Aurore ließ von Hotzenplotz ab und fiel ihrer Tochter theatralisch um den Hals.
"Mein Liebling, da bist du ja!", schluchzte sie. "Wir haben uns solche Sorgen gemacht! Wo warst du denn?"
"Sie war bei mir", ertönte plötzlich eine Stimme aus dem Dunkel des Ganges.
Alle Köpfe drehten sich in Richtung der Stimme. Die Bundeskanzlerin trat ins Licht, ein großes Handtuch um ihre Hüften geschwungen.
"Aaah! Die Merkel!", schrie Gerhard vor Schreck panisch auf und zeigte mit seinem Zeigefinger auf sie, aus dem plötzlich ein zischender, blauer Blitz fuhr.
Keine Sekunde später hatte sich die Regierungschefin der Bundesrepublik Deutschland in Luft aufgelöst.
Währenddessen warteten Hans-Hubert und Gretel gespannt darauf, welche Idee Carl Gustaf wohl haben würde, um sie doch noch nach Schweden zu bringen.
"Meine Krone!" sagte er und freudestrahlend zeigte auf seinen Kopf. "Hier gibt es doch bestimmt irgendwo ein Pfandhaus. Da versetzen wir meine Krone und dann kaufen wir die Fahrkarten."
"Ja, das könnte funktionieren, gute Idee", sagte Hans-Hubert. "Aber wir müssen uns beeilen, der Zug fährt in einer halben Stunde."
Keine fünf Minuten später betraten die drei ein Pfandleihgeschäft direkt vor dem Bahnhof. Aufgrund der sich ständig bessernden Wirtschaftslage war das Geschäft menschenleer und Carl Gustaf konnte ohne warten zu müssen an den Schalter treten.
"Guten Tag", sagte er. "Ich möchte gerne diese Krone versetzen. Wie viel kriege ich dafür?"
"Was denn? Sie schon wieder?", stöhnte es ihm entgegen.
Hinter der dicken Panzerglasscheibe saß dieselbe ältere Frau, die auch hinter dem Fahrkartenschalter gesessen hatte. Carl Gustaf sah sie sehr verwundert an.
"Jetzt glotzen Sie doch nicht so blöd", motzte die Frau ihn an. "Glauben Sie etwa, siebenundzwanzig Kinder, achtzehn Katzen und ein Lama lassen sich mit nur einem Job ernähren? Zeigen Sie mal her, das Ding. Wenigstens wollen Sie diesmal nichts für lau."
Carl Gustaf schob wortlos seine Krone durch die Durchreiche. Die Frau betrachtete sie kritisch, hob sie gegen das Licht, rubbelte mit ihrem Ärmel daran herum und biss prüfend in eine der Zacken.
"Scheint echt zu sein", sagte sie schließlich. "Ich gebe Ihnen neun Euro fuffzich dafür."
Carl Gustafs Kinnlade klappte bis fast auf den Boden herunter.
"Neun Euro fünfzig?!", wiederholte Carl Gustaf fassungslos. "Ihnen hat man wohl ins Hirn geschissen und vergessen abzuziehen!"
Die Frau fing herzhaft an zu lachen.
"Ha, ha!", grölte sie und zeigte auf Carl Gustaf. "Habt ihr das Gesicht gesehen, Kinder? Es gibt wirklich nichts Besseres, als Leute in Notlagen zu verarschen! Gott, ich liebe diesen Job! Ha, ha, ha!"
Ihr Lachen war derart ansteckend, dass Hans-Hubert und Gretel gar nicht anders konnten, als ebenfalls zu lachen.
"Ha, ha, sehr witzig, ihr zwei", brummelte Carl Gustaf beleidigt. "Da wärt ihr auch drauf reingefallen. Also, was ist jetzt? Wie viel kriege ich für die Krone?"
"Na ja", sagte die Frau hinter dem Schalter und wurde wieder ernst. "Sie hat ein paar Gebrauchsspuren, schmeckt leicht ranzig und müsste dringend mal wieder geputzt werden. Außerdem haben wir schon vier Kronen hinten im Lager, die nicht abgeholt wurden. Die Dinger werden wir höchstens zu Fasching wieder los. Ich kann Ihnen nicht mehr als fünfhundert dafür anbieten."
"Fünfhundert Euro?!", entfuhr es Carl Gustaf entsetzt. "Aber diese Krone ist mindestens acht Zillionen wert! Das ist ein Familienerbstück!"
"Na, dann gehen Sie doch zu Ihrer tollen Familie und lassen sich acht Zillionen dafür geben", frotzelte die Frau mit sarkastischem Unterton. "Hier gibt's jedenfalls nur fünfhundert Euro dafür, die dafür aber bar auf die Kralle und sofort. Überlegen Sie sich's."
Carl Gustaf seufzte ein Mal tief und sah fragend Gretel an.
"Nehmen Sie das Geld", sagte sie. "Dann kommen wir endlich nach Schweden. Und Sie können die Krone ja gleich morgen von Ihrem Hubschrauber wieder abholen lassen."
"Na gut", sagte Carl Gustaf. "Ich nehme die fünfhun..."
"Moment! Nicht so schnell!", unterbrach ihn Hans-Hubert und wendete sich mit entschlossener Miene an die Frau hinter dem Schalter. "Wir nehmen die fünfhundert nur, wenn Sie noch eine Hose drauflegen. Wir haben keine Zeit mehr, um noch irgendwo eine zu kaufen, und ich kriege langsam Augenkrebs von diesem Anblick."
"Ja", sagte Carl Gustaf. "Eine Hose wäre in der Tat nicht schlecht. Auf Dauer zieht es doch ziemlich, so untenrum."
"Es tut mir leid", erwiderte die Frau hinter dem Schalter. "Ich würde Ihnen ja gern helfen, aber wir nehmen keine Hosen als Pfand an. Sie glauben ja gar nicht, wie viele Leute heutzutage keine Unterwäsche tragen - wenn sie verstehen, was ich meine. Aber warten Sie mal... Mir fällt da gerade etwas ein, bin gleich wieder da."
Sie verließ ihren Platz hinter dem Schalter und verschwand durch eine Tür im Hintergrund. Kurz darauf kam sie mit einer Einkaufstüte in der Hand zurück und reichte sie Carl Gustaf.
"Hier", sagte sie. "Das ist bei den letzten fünf Versteigerungen nicht mal für zehn Cent weggegangen, das können sie gern haben."
Carl Gustaf warf einen mehr als skeptischen Blick in die Tüte und verzog angewidert sein Gesicht.
"Na los, ziehen Sie's gleich mal an!", forderte die Frau ihn auf. "Müsste eigentlich passen."
Zwei Minuten später lagen Hans-Hubert und Gretel auf dem Boden und hielten sich vor schreiendem Gelächter die Bäuche. Selbst der kürzeste Blick auf Carl Gustaf in seinem grellrosa Hello-Kitty-Jogginganzug ließ sie hysterisch kreischen vor Lachen, und dieser Zustand hielt so lang an, bis sie zwanzig Minuten später den Zug nach Schweden bestiegen.
"Puh!", stöhnte Hans-Hubert, während sie durch den Gang an den Abteilen entlang liefen, und wischte sich die Tränen aus den Augen. "So habe ich nicht mehr gelacht seit uns ein paar Sonntagsausflügler für Zombies gehalten haben!"
"Ich kann das Ding auch gern wieder ausziehen, wenn dir das lieber ist", knurrte Carl Gustaf ihn missmutig an.
"Hey, da ist noch alles frei!", rief Gretel ihnen zu und zeigte auf ein Abteil ein Stück vor ihnen.
Die drei machten es sich in dem freien Abteil gemütlich und zogen die Vorhänge zu, damit sie niemand stören würde.
"Ach, das tut gut", seufzte Carl Gustaf wohlig und legte seine Füße auf den Sitz gegenüber.
Hans-Hubert und Gretel taten es ihm gleich, und als der Zug losfuhr, lagen alle drei sehr entspannt nebeneinander und genossen das sanfte Schaukeln des Zugs. Sie waren schon fast eingeschlafen, als zuerst ein leises Knistern zu hören war und dann ein lauter Knall ertönte, der eine dicke Rauchwolke mitten im Abteil nach sich zog. Alle fuhren erschreckt hoch und wedelten hustend den Rauch von sich, als sie plötzlich feststellen mussten, dass sie nicht mehr allein im Abteil waren. Durch die Rauschwaden hindurch war ihnen gegenüber deutlich die Kontur eines mutmaßlich menschlichen Wesens zu erkennen.
"Huch!", drang eine Stimme durch den Rauch. "Wo bin ich denn hier gelandet?"
Carl Gustaf zog seine Augen zu Schlitzen zusammen, um besser sehen zu können.
"Angela...? Bist du das?", fragte er zögerlich.
"Carl Gustaf...?", kam es ebenso zögerlich zurück. "Verdammt! Jetzt haben diese verflixten Terroristen auch noch gelernt, wie man Staatsoberhäupter wegzaubert und in rosa Schweinchen verwandelt!"
Wir sagen Danke
Wir möchten an dieser Stelle nicht versäumen, den zahlreichen Sponsoren dieses Projektes für ihre finanzielle Unterstützung zu danken:
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Dozentin für kreatives Schreiben
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Antje Püpke
Designerin und Illustratorin
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