Story Teil 7 [Hannah, 15 Jahre]

Während CarlGustaf, Hans-Hubert und Grete am Bahnhof von Kleinmützen standen, versuchten Aurore und Gerhard Müller-Krause bzw. Voldemort, in den hinteren Teil des Clubs Lugi einzudringen, um ihre Tochter aus der drohenden Gefahr, in der sie ihrer Meinung nach schwebte, zu befreien.

Doch Hotzenplotz stellte sich ihnen in den Weg: "Nein! Das geht entschieden zu weit! Erst wollen Sie rein, dann raus und jetzt wollen Sie auch noch unbefugtermaßen in meine Schwing-Räume eindringen. Am Ende lassen Sie noch meine Kundininnen verschwinden!", er funkelte Gerhard wütend an.

"Das ist eine niederträchtige Unterstellung! Ich lasse niemals fremde Leute verschwinden!", empörte sich Gerhard. "Im übrigen will ich zu meiner Tochter! Sofort!"

"Ich habe keine Ahnung, wo Ihre Göre ist, also lasse ich Sie hier nicht herein!"

"Gerhard", murmelte Aurore. "Meinst du nicht... könntest du diesen Mann nicht... "

"Sie wollten doch nicht "wegzaubern" sagen?!", brüllte Hotzenplotz. "Es reicht! Ich rufe gleich bei Petrosilius Zwackelmann an, der ist ein alter Freund von mir. Der kann ein bisschen mehr, als nur biestige Frauenzimmer verschwinden lassen!" (Wer die alten Berichte noch in Erinnerung hat weiß, dass Zwackelmann Hotzenplotz‘ Dealer ist.) Hotzenplotz zückte sein Handy.

"Nein", wimmerte die verängstigte Aurore. "Gerhard, tu doch was!"

Während die Erwachsenen sich der Art stritten, hatten sie Robert ganz vergessen. Und so war es für ihn ein Leichtes, sich an Hotzenplotz vorbei zu schlängeln und durch die Tür in den Gang dahinter zu schlüpfen. Er war dämmrig, an den Seiten gingen zahlreiche Räume ab. Ein Feuerlöscher hing an der Wand, ebenso wie zahlreiche Bilder von Schaukeln.

Langsam ging Robert den Gang entlang. Die meisten Türen waren geschlossen. Doch einige waren nur angelehnt. Vorsichtig spähte er hinein. Im ersten saßen vier splitternackte junge Frauen in einer Schiffsschaukel und lachten.

Robert kam der Gedanke, dass dieser Club vielleicht doch nicht ganz so abartig war, wie seine Eltern befürchteten. Allerdings verwarf er diesen sehr schnell wieder, als er in den nächsten Raum spähte, wo eine Truppe fetter, unförmiger und verwarzter Opas in Hollywood-Schaukeln hin- und herschwangen, die unter ihrem Gewicht ächzten. Er schloss die Tür hinter sich energisch und sah in keinen weiteren Raum hinein, bis er an das Ende des Ganges gelangte.

Eine Stahltür, wie man sie vor manch einem Heizungskeller findet, erweckte Roberts Aufmerksamkeit. Langsam öffnete er sie. Sie quietschte ein wenig. Er blickte hinab auf eine Treppe, die anscheinend in den Keller führte. Am Ende der Treppe sah er einen schwachen Lichtschein. Er zögerte nur kurz, dann machte er sich an den Abstieg. Er war gerade auf der untersten Stufe angelangt, als er er eine Stimme durch den Hall der Räumlichkeiten verstärkt murmeln hörte: "Na so was!"

"Anna!", rief Robert, denn die Stimme gehörte seiner Schwester. Er stürmte in den Kellergang hinein und öffnete die erste Tür, die er sah: In dem Raum stapelten sich bis unter die Decke Kisten und Säcke, deren Inhalt sowie sein Erwerb sicherlich nicht durch und durch legal waren. Aber Anna war hier nicht. Eilig schloss Robert die Tür wieder und blickte sich weiter um. Am Ende des Ganges befand sich eine weitere Tür. Vor dieser stand seine Schwester.

Als sie Roberts Schritte hörte, wandte sie sich um. Sie hatte noch immer die Socke vor dem Gesicht. "Wer ist da?", fragte sie.

"Ich bins. Robert."

"Kannst du mir mal sagen, was das hier für eine komische Tür ist", fragte Anna ihren Bruder.

"Nimm doch einfach die Käsesocke ab. Papa hat sowieso Fußpilz, meinte jedenfalls dieser unrasierte Club-Heini", riet Robert seiner Schwester.

"Igitt!", zischte Anna und riss sich den grauen Fetzen vom Kopf. Dann wandte sie sich wieder der Tür zu. "Sieht aus, wie eine Panzertür."

"Vielleicht ist da ein Goldschatz dahinter", tippte Robert.

"Nonsense", Anna schüttelte den Kopf. "Dieser Club sieht mir nicht gerade aus, als wenn man damit die Millionen machen kann. Ich glaube eher, dass das ein Luftschutzkeller ist."

"Oder ein Atombunker", vermutete Robert und blickte die Tür schief an. "Doch ja, ich glaube, das ist ein Atombunker!"

"Beruhigend zu wissen!", seufzte Anna aus tiefstem Herzen. "Falls Nordkorea jetzt angreifen würde, könnten wir uns wenigstens in Sicherheit begeben! ... Robert, was gibt es da zu kichern?"

"Ich stelle mir nur gerade vor", antwortete Robert glucksend, "wie alle diese nackten Leute sich in dem Bunker drängeln. Das gibt dann Gruppenkuscheln und... "

"Pfui, Robert! Komm jetzt bloß nicht schon wieder mit deinen versauten Fantasien! Außerdem, wer hat denn gesagt, dass sie sich drängeln. Vielleicht ist ja auch ganz viel Platz drin."

"Wetten dass nicht? Bunker sind immer eng!"

"Wetten dass doch?", entschlossen drückte Anna die Türklinke herunter und riss an der Tür.

"Tu das nicht!", rief Robert, dem gerade ein erschreckender Gedanke gekommen war: Wenn das hier nicht ein Atombunker war, sondern der Raum, in dem Merkel schwang!

Doch zu spät: Die Tür sprang auf, Anna schob sich hinein und betätigte den Lichtschalter.

Ein gellender Schrei drang aus dem Raum. Doch nicht von Anna. Neugierig geworden, steckte auch Robert seinen Kopf durch die Tür: Eine Frau Mitte fünfzig, splitternackt, wie alle Leute im Club Lugi, saß auf einer gewöhnlichen Spielplatz-Schaukel, die sie mit den Füßen gebremst hatte, und starrte die Geschwister mit einem Entsetzen an, das man wohl noch nie auf ihrem allseits aus den Medien bekannten Gesicht gesehen hatte. "M... man hat mich ge-gesehen", japste sie entsetzt. "Ich bin ruiniert, entehrt!"

"Beruhigen Sie sich doch, Frau Merkel", rief Anna, völlig perplex ob des panischen Geschreis der Kanzlerin. "Wir sind doch keine Paparazzi."

"Nicht?", fragte Merkel und wirkte einen Moment, als hätte sie sich etwas beruhigt, doch dann schien ihr ein noch grässlicherer Gedanke zu kommen und sie fing erneut mit ihrem Gezeter an: "Dann seid ihr etwa Attentäter?! Schande, dass meine Bodyguards nicht hier sind, aber die wollte ich mir nicht nackig angucken! Attentäter! Stinkbombenattentäter, das seid ihr!"

Anna und Robert sahen sich betroffen an. "Papas Socken! Wir riechen sicherlich nicht mehr allzu gut", murmelte Anna. "Ich glaube, wir sind der Kanzlerin keine angenehme Gesellschaft."

"Gehen wir wieder", stimmte ihr Robert ebenfalls leise zu.

"Nun gut", erklärte Anna laut. "Entschuldigen Sie, Frau Merkel, die Störung. Schönes Schaukeln!" Mit diesen Worten verließen die beiden Kinder den Raum und schlossen die Tür hinter sich.

"So schlimm war das nun wirklich nicht, abgesehen von dem Geschrei", stellte Robert fest. "Von wegen Erblinden und so. Ich meine, ich bin nicht gerade erpicht darauf, diese Frau nackt zu sehen, aber umgefallen sind wir ja nun auch nicht!"

"Wir sind eben nicht so prüde", bemerkte Anna. "Gehen wir wieder rauf. Ich habe langsam genug von diesem dämlichen Club - einen Atombunker haben sie hier schließlich doch nicht!"

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