Story Teil 6 [Autor]

"Na, ihr seid mir ja vielleicht eine komische Mischpoke", sagte er und versperrte ihnen den Weg. "Zuerst bettelt ihr mich an, dass ich euch reinlassen soll und dann wollt ihr einfach so abhauen, ohne auch nur ein Käsebrot gegessen zu haben. Die hat meine Frau extra für euch gemacht! Und der Whirlpool ist jetzt auch ganz dreckig! So geht's ja nicht, ihr Saubande!"

"Hey, Vorsicht!", knurrte Aurore ihn an. "Nicht in dem Ton, Sie lausbärtiger Stinkstiefel!"

"Mein Schwinger-Club, mein Ton, Sie undankbare Xanthippe!", fuhr Hotzenplotz sie an.

"Aber das ist doch nun wirklich nicht nötig", versuchte Gerhard die Wogen zu glätten. "Wir sind Ihnen wirklich sehr dankbar für Ihre Gastfreundschaft, Herr Hotzenplotz. Aber meine Frau hat recht, das ist wirklich nicht die richtige Umgebung für Kinder. Unser Robert ist schon zweimal fast ohnmächtig geworden. Wenn ich ihm nicht gleich die Socken abnehme, kippt er wirklich um."

"Öchö-öchö", röchelte Robert sofort zur Bestätigung.

"Na, das hätten Sie sich vielleicht mal vorher überlegen sollen!", schrie Hotzenplotz ihn an. "Sie haben doch darauf gedrängt, dass ich Sie und Ihre verweichlichten Blagen reinlasse! Und was habe ich nun davon?! Siebenundzwanzig Käsebrote und Ihren Fußpilz im Whirlpool! Und ich hasse Käsebrote!"

"Fußpilz?!", schrie Robert panisch auf und riss sich die Socke von den Augen. "Bäh! Das ist doch bestimmt ansteckend!"

"Nur für Füße, mein Sohn", beruhigte ihn sein Vater. "Nur für Füße."

"Sehen Sie, was Sie angerichtet haben, Sie störrischer Waldschrat?!", keifte Aurore Hotzenplotz an. "Wenn Sie uns nicht jetzt sofort hier rauslassen, dann können Sie was erleben! Mein Mann kann nämlich zaubern!"

Hotzenplotz fing laut an zu lachen.

"Ja, genau!", gluckste er. "Ihr Mann kann zaubern! Oh, jetzt habe ich aber Angst!"

"Das sollten Sie auch!", fauchte Aurore ihn an. "Los, sag's ihm, Gerhard! Sag ihm, wer du bist!"

"Ach, Schatz, lass doch", sagte Gerhard verlegen. "Ist doch nicht so wichtig. Und ich habe ja auch seit Jahren nicht mehr wirklich gezaubert."

"Voldemort!", schmetterte Aurore theatralisch Hotzenplotz entgegen. "Mein Mann ist niemand geringerer als Gerhard Voldemort! Jawohl!"

"Voldemort?", wunderte sich Robert. "Ich dachte immer, wir heißen Müller-Krause?"

"Heißen wir ja auch, Liebling", erklärte Aurore ihrem Sohn. "Dein Vater hat nach der Hochzeit meinen Namen angenommen."

"Ach so."

"Und ich bin auch nur ein Cousin siebenundachtzigsten Grades des legendären Lord Voldemorts", fügte sein Vater hinzu. "Wir haben uns nur ein einziges Mal gesehen, auf der Geburtstagsparty von Tante Frankenstein."

"Aber zaubern kann er trotzdem!", zischte Aurore Hotzenplotz an. "Und wenn Sie uns jetzt nicht ratzfatz gehen lassen, dann wachen Sie morgen früh vielleicht als Schaukelbrett von Angela Merkel auf."

Hotzenplotz strich sich mit beiden Händen über seinen vor Lachen bebenden Wanst.

"Gute Frau", sagte er kichernd. "Wenn Ihr Mann wirklich zaubern kann, wieso hat er sie alle dann nicht längst an mir vorbei gezaubert? Oder warum hat er nicht vorhin einfach eine Pizza herbeigezaubert? Dann wäre Ihnen und vor allem mir dieses ganze Theater hier nämlich erspart geblieben."

"Na ja", sagte Gerhard Voldemort und kratzte sich dabei verlegen am Kopf. "Wissen Sie, Lebensmittel-Zauber waren irgendwie nie so meine Stärke, da hatte ich immer eine 6 im Zeugnis. Und auch sonst war ich nicht besonders gut in der Schule. Das Einzige, was ich wirklich gut kann, ist Frauen wegzuzaubern. Allerdings nie für wirklich lange, meistens tauchen sie so nach zwei, drei Stunden wieder auf, können sich dann aber zum Glück an nichts erinnern."

Gerhard beugte sich ganz dicht an Hotzenplotz Ohr und flüsterte:

"Das ist ziemlich praktisch, wenn man mal in Ruhe Fußball gucken oder mit Freunden ein paar Bier zischen will."

Hotzenplotz nickte grinsend und zwinkerte Gerhard verschmitzt zu.

"Papa?" wendete sich Robert fragend an seinen Vater. "Hast du Anna etwa auch weggezaubert?"

"Nein, wieso?", fragte Gerhard verwundert zurück.

"Na, weil sie schon eine ganze Weile nicht mehr hier ist", antwortete Robert.

Alle Anwesenden sahen sich um - Anna war nirgends zu entdecken.

"Um Gottes Willen!", schrie Aurore ängstlich auf. "Meine Tochter! Verschwunden in diesem Nackedei-Club! Los, wir müssen sie finden, bevor etwas Schlimmes passiert!"

"Ein Zug nach Schweden!", rief Hans-Hubert unterdessen auf dem Bahnsteig. "Der kommt ja wie gerufen! Den nehmen wir natürlich!"

"Aber wir haben doch gar kein Geld für die Fahrkarten", gab seine Schwester zu Bedenken. "Oder haben Sie zufällig Geld dabei, Carl Gustaf?"

"Ich bin der König von Sverige", sagte Carl Gustaf. "Ich brauche kein Geld, ich kriege immer alles umsonst."

"Aber wir sind hier leider nicht in Sverige", frotzelte Hans-Hubert. "Hier kriegen Sie höchstens einen Tritt in den Hintern umsonst."

"Das werden wir ja sehen!", erwiderte Carl Gustaf und trat energischen Schrittes auf den nächsten Fahrkartenschalter zu.

Hans-Hubert und Gretel folgten ihm. Hinter dem verglasten Schalter saß eine ältere Frau, Carl Gustaf sprach sie an.

"Guten Tag", sagte er. "Ich bin der König von Schweden und brauche drei Fahrkarten für den nächsten Zug in meine Heimat, aber umsonst, bitte."

Die Frau zog eine Augenbraue nach oben und sah ihn skeptisch an.

"Wenn Sie der König von Schweden sind, bin ich Bob der Baumeister", sagte sie. "Und wenn Sie sich nicht sofort was anziehen, rufe ich die Polizei. Sie können doch hier nicht nackig auf dem Bahnhof rumlaufen. Wo kommen wir denn da hin?"

"Sie haben natürlich vollkommen recht, meine Dame", sagte Carl Gustaf. "Dann bräuchte ich zusätzlich zu den Fahrkarten noch hundert Euro für eine neue Hose. Ach ja, und etwas zu Essen für die Fahrt benötigen wir ja auch noch, also sagen wir lieber hundertfünfzig Euro. In kleinen Scheinen, bitte."

Die Frau hinter dem Schalter wendete sich Hans-Hubert und Gretel zu.

"Gehört der zu euch?", fragte sie. "Aus welcher Klapsmühle habt ihr den denn entführt? Bringt den mal lieber ganz schnell zurück, bevor's noch Ärger gibt."

"Wir haben ihn im Wald getroffen", erklärte Gretel. "Und er hat versprochen, uns mit nach Schweden zu nehmen."

"Können Sie ihm nicht wenigstens das Geld für die Hose geben?", fragte Hans-Hubert. "Lang kann ich diesen Anblick nämlich nicht mehr ertragen."

"Was ist jetzt?", sagt Carl Gustaf energisch. "Die Fahrkarten und das Geld, bitte! Ich bin ein König und habe nicht ewig Zeit! Wenn Sie mir nicht glauben, können Sie gern Ihren obersten Chef anrufen. Wir kennen uns gut, haben schon oft miteinander geschaukelt."

"Also, jetzt hören sie mir mal gut zu, Sie königlicher Nackedei", sagte die Frau. "Wenn Sie tatsächlich erwarten, dass ich Ihnen drei Fahrkarten und hundertfünfzig Euro für lau in die Hand drücke, dann schaukelt bei Ihnen im Kopf aber ganz schön was falsch. Und jetzt verziehen Sie sich lieber, sonst rufe ich wirklich noch die Polizei!"

Die drei entfernten sich mit gesenkten Köpfen vom Fahrkartenschalter.

"Na, das war ja wohl ein Griff ins Klo", seufzte Hans-Hubert.

"Was machen wir denn jetzt?", fragte Gretel niedergeschlagen.

Ratlosigkeit breitete sich auf ihren Gesichtern aus, bis Carl Gustaf nach einer Weile plötzlich lächelte.

"Ich habe eine Idee!", sagte er.

Wir sagen Danke

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Carmen Winter.
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