Story Teil 22 [Autor]
"Wir?", sagte Gerhard Voldemort und schloss seine Frau Aurore und seine Kinder in die Arme. "Wir gehen jetzt nach all der Aufregung nach Hause, wo Mama uns einen leckeren Brei kochen wird. Und nächsten Sonntag machen wir dann einen richtig schönen Familienausflug, ganz in Ruhe, ohne Außerirdische und Schwinger-Club und Angela Merkel und den ganzen Blödsinn. Hm, was haltet ihr davon?"
"Aaaaaaaaaaaaaah!", schrien Robert und Anna entsetzt auf und rannten panisch davon.
"Keine Sorge", sagte Aurore zu ihrem verdutzten Mann und lachte. "Die kommen schon wieder. Und wenn nicht, zauberst du uns einfach zwei neue."
ENDE
Epilog
Drei Jahre und zwei Monate später.
Gerhard Voldemort, seine Frau Aurore und ihre beiden Kinder Wolfgang und Astrid saßen nach einem ausgiebigen Sonntagsfamilienausflug in ihrer Lieblingsdönerbude. Orkan, der Besitzer, besaß eine Kette von Dönerläden, die in ganz Deutschland als Mc Orkan bekannt und äußerst erfolgreich waren. Er selbst arbeitete nur noch gelegentlich, wenn er Lust hatte - so wie an diesem Abend.
"Ach, das war mal wieder vorzüglich, Orkan!", seufzte Gerhard zufrieden, als Orkan die Teller abräumte. "Nicht wahr, Kinder?"
"Ja, war ganz okay", sagte Wolfgang. "Aber der Brei von Mutti schmeckt viel leckerer!"
"Wann ist denn endlich wieder Sonntag?!", quengelte Astrid. "Ich will wieder einen Ausflug machen! Im Wald! Da ist es sooooo toll!"
Gerhard und Aurore lächelten sich zufrieden an.
"Ey, Alder!", rief Orkan plötzlich. "Des glaub isch ja ned! Is des krass, oder was?!"
Er zeigte auf den riesigen Flachbild-Fernseher, der über seiner Verkaufstheke hing. Alle Blicke folgten seinem Finger und ein aufgeregtes, ungläubiges Raunen erfüllte plötzlich den Raum.
Und tatsächlich, was sich dort vor den Augen Aller abspielte war schlicht und einfach als größte Sensation der letzten drei Jahre zu bezeichnen.
Auf dem Bildschirm war Angela Merkel zu sehen! Angel Merkel!!! Und zwar live, nicht etwa in einer der unzähligen Dokumentationen über ihr Leben, die nach ihrem rätselhaften Verschwinden entstanden waren.
Von einem Tag auf den anderen war sie damals einfach weg, hatte sich ohne jede Erklärung quasi in Luft aufgelöst und das Land ohne Staatsoberhaupt zurückgelassen.
Vizekanzler Rösler war der Aufgabe nicht gewachsen gewesen und hatte heulend sein Amt an Dieter Bohlen übergegeben, der sein Kabinett jedes Jahr in einer Castingshow (Deutschland sucht den Superminister) neu zusammen setzen ließ, was dazu geführt hatte, dass Deutschland mittlerweile von einem Haufen untalentierter Vollidioten regiert wurde und eine neue Nationalhymne (You’re my land, you’re my soul) auswendig lernen musste. Aber nun war offenbar das eingetroffen, worauf wirklich niemand mehr zu hoffen gewagt hatte - Angela Merkel war zurück!!!
"Schnell, mach lauter, Orkan!", rief einer der Gäste aufgeregt.
Orkan sprang zum Fernseher und drehte die Lautstärke bis zum Anschlag auf.
"Isch kenn die!", sagte er aufgeregt. "Die war ma hier! Escht jetzt, ohne Scheiß! Stimmt’s Gerhard? Ihr wart doch auch alle dabei!"
Wolfgang und Astrid sahen sich verwundert an.
"Mama?", fragte Astrid. "Stimmt das, was der Mann da sagt? Da kann ich mich nämlich gar nicht dran erinn..."
"Pssst!", würgte Aurore sie zischend ab und zeigte auf den Fernseher. "Sie sagt was!"
Alle starrten gebannt auf den Bildschirm.
"Meine lieben Landsleute", begann Angela Merkel unter Blitzlichtgewitter. "Sicher fragen Sie sich, wo ich die letzten drei Jahre war. Ich will es Ihnen sagen: Ich war weg. Und zwar sehr weit weg."
"Auf Mallorca?", fragte ein Reporter der BILD-Zeitung.
"Nein, nicht auf Mallorca", antwortete Frau Merkel. "Noch viel, viel weiter weg. Und ich war nicht etwa im Urlaub, sondern im Dienste unseres Landes unterwegs. Ich habe eine fremde Kultur studiert und sehr viel gelernt. Deswegen wird hier jetzt vieles anders werden."
"Äh ... Moment mal", sagte Dieter Bohlen, der sich von rechts ins Bild schob. "Mach mal halblang, Angie. Ich bin jetzt der Chef, du hast hier mal gar nix zu ändern. Du kannst dich ja gern für die Regierungs-Jury bewerben, aber dann müsstest du schon einen Minirock anziehen und sexy tanzen, sonst wird das nichts."
Frau Merkel trat wortlos beiseite. Hinter ihr erschien ein außerirdisch anmutendes Wesen, es war groß, dünn und lila und hatte sehr viele Tentakel. Mit zweien diese Tentakel riss es Dieter Bohlen ohne Vorwarnung den Kopf vom Hals und stopfte ihn sich in den Mund.
Nachdem eine kurze Schrecksekunde vergangen war, brandete in ganz Deutschland frenetischer Jubel auf.
"Sehr verehrte Mitbürger", fuhr Angela Merkel fort. "Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen gern meinen neuen Außenminister vorstellen. Sein Name ist Oz und ich habe vollstes Vertrauen in seine Fähigkeiten."
"Sind Sie miteinander verwandt?", wollte ein Reporter wissen.
"Nein", antwortete Frau Merkel und lachte. "Sie glauben ja gar nicht, wie oft ich das in den letzten drei Jahren gefragt wurde. Aber unsere Ähnlichkeit ist reiner Zufall. Nicht wahr, Oz?"
Oz nickte grinsend, zog eine Flasche Bier aus seinem Hintern und reichte sie Angela Merkel, die einen tiefen Schluck daraus nahm.
"Prost, Deutschland", sagte sie und rülpste ein Mal leise. "Die größte und wichtigste Änderung, die ich mit sofortiger Wirkung veranlasse, ist folgende: Die Arbeit an sich wird abgeschafft!"
Heftiges Gemurmel ertönte, alle sahen sich ungläubig an.
"Im Ernst!", bekräftigte Frau Merkel ihre Aussage. "Das bringt doch nichts, tagein, tagaus immer Schuften, wo bleibt denn da die Lebensqualität? Außerdem wäre somit das lästige Arbeitslosenproblem gelöst. Also, ich wiederhole: Die Arbeit wird abgeschafft! Jeder deutsche Bürger hat ab sofort für immer Feierabend!"
Als diese Nachricht in allen Köpfen der Republik angekommen war, kannte der Jubel keine Grenzen mehr - wildfremde Menschen fielen sich in die Arme und ließen alles stehen und liegen, um zu feiern.
Und selbst in einem kleinen schwedischen Städtchen namens Uppsala wurde gejubelt.
"Wenn ich nicht mehr arbeiten muss, gehen wir zurück nach Deutschland!", rief Rupert Holle, ein deutschstämmiger Autowerkstattbesitzer, begeistert.
"Oh ja!", stimmte seine Tochter Gretel mit ein. "Hier ist es nämlich stinklangweilig. Immer nur dieses blöde Golfspielen mit Carl Gustaf. Gestern hat er sich am 56. Loch wieder ausgezogen."
"Ja", bestätigte ihr Bruder Hans-Hubert. "Außerdem gibt er immer damit an, dass er König ist und so."
"Prima!", jubilierte ihre Mutter, Hildegard Holle. "Ich pack schon mal das Bettzeug zusammen!"
Das war aber noch nicht alles, was Angela Merkel zu verkünden hatte.
"Des Weiteren", rief sie gegen die ausgelassen grölende Menge an. "Des Weiteren verfüge ich hiermit, dass ab sofort sämtliche Schwinger-Clubs im Lande als legal zu betrachten sind! Die Frei-Schaukel-Kultur steht ab sofort nicht mehr unter Strafe und kann von jedermann frei ausgeübt werden! Auch von Kindern!"
Die Wände des in einem Waldstück versteckten, geheimsten Schwinger-Clubs der Republik fingen an zu wackeln, weil John Hotzenplotz, der Besitzer, und seine gesamte Belegschaft vor Freude auf und ab hüpften.
"Wir sind legal!", schrie der Hausherr außer sich vor Freude. "Wir sind legal! Los, erhöht sofort die Preise und ruft Carl Gustaf in Schweden an!"
Angela Merkel kippte unterdessen ihr Bier in einem Zug ab und ließ sich von ihrem neuen Außenminister ein neues reichen.
"Aber das Beste kommt ja erst noch!" rief sie. "Ich habe von meiner Reise zwei Säcke Bierbaum-Samen mitgebracht! Wir werden von jetzt an unser eigenes, kostenloses Bier züchten und in die ganze Welt verkaufen! Mit Pfand, natürlich!"
Diese Mitteilung brachte das Jubel-Fass endgültig zum Überlaufen. Die gesamte Nation feierte hundert Tage und hundert Nächte lang die triumphale Rückkehr der Bundeskanzlerin und beförderte sie kurzerhand zur Königin von Deutschland. Und wenn sie nicht an Leberversagen gestorben ist, regiert sie uns noch heute.
Wir sagen Danke
Wir möchten an dieser Stelle nicht versäumen, den zahlreichen Sponsoren dieses Projektes für ihre finanzielle Unterstützung zu danken:
Bezirksamt Marzahn-HellersdorfAmt für Bildung und Kultur
Förderverein der Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf e.V.
Schreibende Schüler e.V.
Lützowstraße 33
10785 Berlin
EKZ Bibliotheksservice GmbH
Postfach 1542
72705 Reutlingen
cantus
Buch- und Musikalienhandlung
Kantstraße 139
10623 Berlin
Buchhandlung im KIK
Marzahner Promenade 37
12679 Berlin
3W-Media Marketing GmbH
Marzahner Promenade 47
12679 Berlin
Carmen Winter
Dozentin für kreatives Schreiben
Große Müllroser Str. 71
15232 Frankfurt (Oder)
Antje Püpke
Designerin und Illustratorin
Grottkauer Str. 35
12621 Berlin

