Story Teil 12 [Autor]
Unterdessen hatten Hans-Hubert und Gretel im Fahrerhaus des LKWs Platz genommen.
"Dann kann's ja losgehen", sagte der Fahrer. "Wo wohnt ihr denn?"
"Im Wald", sagte Gretel.
"Na, das ist ja praktisch", sagte der Fahrer. "Da muss ich sowieso für die nächste Lieferung hin."
"Was transportieren Sie denn?", wollte Hans-Hubert wissen.
"Schaukeln", antwortete der Fahrer. "Ich liefere Schaukeln in die ganze Welt. Meine Schaukeln sind sehr beliebt, müsst ihr wissen, denn sie sind beheizt, da hat man beim Schaukeln immer einen gemütlich warmen Popo. Schnallt euch lieber an, gleich heben wir ab."
Hans-Hubert und Gretel warfen sich einen kurzen, skeptischen Blick zu. Beheizte Schaukeln? Abheben? So ganz sauber schien ihr Chauffeur ja nicht zu sein. Aber sie folgten seiner Aufforderung und schnallten sich an.
"Ich heiße übrigens Elvis", sagte der Fahrer und ließ den Motor aufheulen. "Freut mich, euch kennenzulernen, Hans-Hubert und Gretel. Haltet euch fest!"
Plötzlich hob der LKW einige Meter vom Boden ab und schoss wie der Blitz in Richtung Horizont los. Hans-Hubert und seine Schwester wurden in die Sitze gedrückt wie in einer Achterbahn, und genau wie bei einer Achterbahnfahrt schrien beide laut auf.
"Aaaaaaaaaaaah!", schrien sie beide im Chor und klammerten sich aneinander fest.
"Keine Sorge", sagte Elvis und drückte auf einen Knopf am Armaturenbrett. "Das geht gleich vorbei."
Ein Summen ertönte, und obwohl der Horizont mit unverminderter Geschwindigkeit auf sie zuraste, ließ der Druck auf ihre Körper plötzlich nach und sie fühlten sich so leicht, als würden sie sofort anfangen zu schweben, wenn sie nicht angeschnallt wären.
"Sorry", sagte Elvis und lächelte verlegen. "Ich kann die Schwerkraft leider erst ausschalten, wenn wir gestartet sind. Ist schon eine ziemlich alte Kiste, aber absolut zuverlässig. Nicht wahr, Marilyn?"
Er tätschelte liebevoll die Ablage über dem Lenkrad und erhielt ein sanftes Hupen als Antwort.
"Ja, das stimmt", sagte er. "Du bist die Beste, Marilyn."
Es dauerte einen Moment, bis Hans-Hubert und Gretel sich gesammelt hatten. In was für einem seltsamen Gefährt waren sie denn hier gelandet? Und mit diesem komischen Elvis stimmte doch auch etwas nicht.
"Moment mal", sagte Hans-Hubert schließlich. "Woher wissen Sie eigentlich, wie wir heißen? Wir haben es Ihnen doch gar nicht gesagt."
"Ach, das ist einfach", antwortete Elvis. "Ich weiß nämlich alles."
"Wie, alles?", fragte Hans-Hubert mit skeptischer Miene.
"Na, alles eben", sagte Elvis. "Ich weiß einfach alles."
Gretel starrte ihn mit großen Augen an.
"Sind Sie etwa Gott?", fragte sie mit ehrfurchtsvoller Stimme.
"Ha, ha!", lachte Elvis auf. "Der war gut! Gott? Ich? Um Himmels Willen, nein! Ich bin nur sein kleiner Bruder."
"Gott hat einen kleinen Bruder?!", rief Gretel erstaunt. "Das wusste ich ja noch gar nicht!"
"Na ja", sagte Elvis. "Das ist auch allgemein kaum bekannt. Er schämt sich nämlich für seine Geschwister."
"Es gibt noch mehr von euch?", wollte Gretel wissen.
"Wir sind insgesamt zu acht", erklärte Elvis. "Fünf Jungs, drei Mädchen. Gott ist der Älteste, aber seit Papa gestorben ist, führt er sich auf, als hätte er die Welt erschaffen. Wir haben kaum noch was mit ihm zu tun, er ist einfach zu arrogant geworden."
"Oh, das tut mir aber leid mit eurem Papa", sagte Gretel und streichelte tröstend über Elvis‘ Arm.
Hans-Hubert zog seine Schwester zu sich heran.
"Du glaubst diesen ganzen Schwachsinn doch wohl nicht etwa?!", zischte er ihr ins Ohr. "Der Kerl lügt wie gedruckt! Gott hat keine Geschwister! Und einen Vater schon mal gar nicht! Wie soll der denn geheißen haben? Davon hätte man doch längst mal was gehört."
"Herbert", sagte Elvis trocken. "Herbert Allmächtig, so hieß mein Vater. Und er war eben nicht so publicitygeil wie mein ach so berühmter Bruder. Ein ganz bescheidener Mann, das war unser Vater. Und ein Weltklasse-Automechaniker. Ohne ihn wäre Marilyn schon vor Urzeiten auf dem Schrottplatz gelandet. Sie war sein ganzer Stolz. Nicht wahr, Schätzchen?"
Marilyn hupte dreimal zustimmend, während Hans-Hubert verächtlich die Augen verdrehte. Er glaubte diesem Elvis kein einziges Wort - und er würde seiner Schwester auch sogleich beweisen, dass der Typ ein Scharlatan war.
"Sie wissen also absolut alles?", fragte er den vermeintlichen Lügner herausfordernd. "Dann können Sie uns doch sicher auch sagen, wo sich Carl Gustaf, der König von Schweden, jetzt gerade befindet? Diese linke Ratte ist nämlich einfach abgehauen, und es würde mich tierisch interessieren, wohin er sich verkrümelt hat."
"Kein Problem", sagte Elvis. "Carl Gustaf, der König von Schweden, sitzt gerade mit Angela Mürkel und der Familie Voldemort in Orkans‘ Döner-Laden und macht Armdrücken gegen einen Außerirdischen namens Muz."
"Siehst du?", flüsterte Hans-Hubert seiner Schwester zu und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. "Total plemplem, der Kerl. Glaub dem bloß kein Wort."
Wir sagen Danke
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