Archiv Ausstellungen 2007

Ausstellung in der Bibliothek Mark Twain

Schulgärten, Schulspeisung und Nahrungsmittelsproduktion

Eine Ausstellung von Internationales Netzwerk für Schulgärten, Museum für Naturkunde, UN WORLD FOOD PROGRAMME (WFP), Deutsche Welthungerhilfe, Interessengemeinschaft der Berliner Gartenarbeitsschulen und Grün macht Schule, sehen Sie bei uns vom 2. April bis 30. April 2007.

Schulgärten erleben zurzeit eine Renaissance. Etwa 30% aller Schulen in Deutschland sind im Besitz eines Schulgartens oder haben zumindest Zugang zu einem entsprechenden Garten. Die Tendenz ist steigend. Den ersten Berliner Schulgarten, mit dem Ziel schulische und berufsvorbereitende Lehrinhalte zu verbinden, ließ um 1750 der Theologe und Pädagoge Johann Julius Hecker auf dem Gelände des heutigen Potsdamer Platzes anlegen. Viele Schulgärten entstanden nach dem 2. Weltkrieg, aber auch heute werden Schulgärten neu errichtet.

Fragen der Umweltbildung und der Naturerziehung nehmen einen immer größeren Stellenwert ein. In Berlin gibt es heute rund 270 Schulgärten und 14 Gartenarbeitsschulen in 11 Bezirken mit über 140.000 Schülerbesuchen pro Jahr, die Flächengröße beträgt insgesamt 33,9 ha. Schulgärten sind somit eine feste Institution in der Bildungslandschaft und bekommen im Rahmen der Agenda 21 Prozesses sowie durch die UN Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ eine erhöhte Bedeutung. Aber auch bei der jetzigen Diskussion über die Kosten der Grünflächenpflege und in Kombination als Schul-, Bürger- und interkultureller Garten können Schulgärten eine besondere Rolle bei der städtischen Grünflächenplanung und Grünflächengestaltung spielen.

Für Kinder ist es besonders wichtig Lernorte, wie einen Schulgarten zu erleben, in denen sie experimentieren, durch Beobachtungsaufgaben sensibilisiert werden und ihre Sinne und sprachlichen Fähigkeiten schulen. Schulgärten und andere Gärten für Kinder können Naturräume, Sinnesräume, Handlungsräume, Spielräume und Ruheräume sein und gerade im Computerzeitalter Kindern helfen, vom Kopf auf die Hand umzuschalten. Neben anschaulicher fächerübergreifender Wissensvermittlung ermöglichen sie vor allem praktische Erfahrungen. Dabei spielen sinnliche Erlebnisse mit der Natur eine große Rolle, die Planung des eigenen Beetes schult außerdem Phantasie und Kreativität. Beim Organisieren der Arbeit wird zielgerichtetes Handeln geübt. Boden- und Klimaverhältnisse, Wachstumsprozesse und Fruchtfolgen sind zu beachten und zu beobachten. Jeder Handgriff zeigt Wirkung, aber auch die Konsequenzen des Nichtstuns werden schnell sichtbar („Unkraut“, vertrocknete Pflanzen). Gärten als umfriedete Räume der Naturerziehung können den Sinn des Lebens und das Wirken der Menschen erkennbar, beobachtbar sowie lehrbar machen und damit mehr Bildung erwachsen lassen, als viele sonstige Unterrichtsmaßnahmen.

Schulgärten gibt es aber nicht nur in Berlin und in Deutschland, sondern auch in Afrika, Asien und Südamerika. Während in Europa und Nordamerika der Schulgarten grüner Lernort ist, dient der Garten in den Ländern des Südens oft auch der Nahrungsmittelsproduktion. Schulen mit Schulgärten, in einem weltweiten Kontext gesehen, können einen wichtigen Beitrag leisten, um Wissen, Einstellung, Werte und so genannte life skills, wie persönliche Verantwortung, Selbstachtung, Teamarbeit, Planung und Entscheidungsfindung zu vermitteln sowie gleichermaßen spezifisches Wissen über Gartenbau und Landwirtschaft, Nahrungsmittel und Ernährung. Weltweite Schulgartenprogramme, im Norden garden-based learning und im Süden school-based food production, bieten darüber hinaus beste Voraussetzungen zur Intensivierung von Schulprojekten zwischen Schulen im Norden und Süden.

Auf dieser Seite kommt der Begriff Netzwerk vor, der im Wörterbuch in leichter Sprache erklärt wird.