Mit dem Wartburg in die Steinzeit
Geschrieben von Hildur-Mathias Bernitz am 1. Juli 2009.
3000 km mit dem Wartburg von Berlin in die vermeintliche Steinzeit. Ein Reisebericht zu den Felsenbildern von Karelien.
Zum ersten Mal komme ich mit den karelischen Petroglyphen im Jahre 1984 in Berührung. Ein kleines, eher schmales, Büchlein erregt meine Aufmerksamkeit und veranlasst mich zu näherer Betrachtung. Die dargestellten Tiere, Menschen, Boote und geheimnisvollen Zeichen aus prähistorischer Zeit sind von großer Eindringlichkeit und Lebendigkeit, sie zeugen von genauer Beobachtungsgabe und vom hohen Abstraktionsvermögen der eiszeitlichen Künstler.
Die Zeichnungen ziehen mich in ihren Bann. Was dann folgt, ist ein 10jähriger, beharrlich verfolgter Weg, der zu drei Reisen in den russischen Teil von Karelien führt.
Karelien, als Teilrepublik der ehemaligen Sowjetunion ist erst seit 1991 für "normale" Einzeltouristen zugänglich. Besonders die Landesteile östlich des Onegasee und am Weißen Meer waren militärisches Sperrgebiet. Hinzu kommt, dass westliches Kartenmaterial unzureichend ist, wenn man von den Magistralen abweicht. Zudem ist man ohne ausreichende Beherrschung der russischen Sprache nahezu hilflos.
1994 gelingt die erste Reise.
Ein seit langem mit mir befreundeter Kollege, Grafiker wie ich, war schon bald von der Idee begeistert. Er trägt maßgeblich zum Gelingen der ersten Expedition bei. Seine guten Sprachkenntnisse und Verbindungen zu russischen Freunden in Sankt Petersburg helfen, manchen Weg zu ebnen.
Ihm sei an dieser Stelle für sein Engagement gedankt.
Unsere Reiseroute - mit dem Auto, von Berlin aus sind es nahezu 3000 km - verläuft über den Fährhafen Mukran (Rügen), zuerst per Schiff nach Kleipeda (Litauen).
Dann über Riga und am Peipussee entlang nach Narva, der heutigen Grenzstadt zu Russland.
Über St. Petersburg fahren wir nach Petrosawodsk, der Hauptstadt Kareliens.
Dazwischen liegt eine 31stündige Irrfahrt durch die nächtliche Taiga, südöstlich des Onegasees, die nur durch Glücksumstände nicht tragisch endet.
Von Petrosawodsk nehmen wir das Tragflächenboot, um den 100 km breiten See zu überqueren. An seinem Ostufer, nahe dem Ort Schala, liegt das Ziel unserer Wünsche.

