Judy Niemack und ihr Quartett - Konzertrezension

Jazz-Highlight in der Bezirkszentralbibliothek „Mark Twain“
Judy Niemack & ihr Quartett

Die Konzertreihe der Musikbibliothek in der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain wurde am 25. Oktober 2006 vom Auftritt der Jazzvokalistin Judy Niemack mit ihrem Quartett gekrönt. Die in Pasadena, Kalifornien (USA), gebürtige Judy Niemack, seit 1995 einzige deutsche Professorin für Vocal-Jazz an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, leitet darüber hinaus weltweit Meisterklassen u.a. in New York, New Jersey, Brüssel und Helsinki. Ihre Meriten erwarb sich Judy Niemack bei der Zusammenarbeit mit einer nicht geringen Zahl namhafter erstrangiger Jazzmusiker.

Entsprechend hoch profiliert zeigen sich ihre jazzvokalistischen Fähigkeiten, die sie an diesem Abend präsentierte. Judy Niemack verfügt über einen außerordentlich weitgefassten gesanglichen Ausdrucksbereich. Ihr Spektrum reicht von fast geflüsterten über eindrucksvollen kontemplativen Vocals, im Jazzidiom Balladen genannt, bis zu fast halsbrecherischen Up-Tempo-Passagen im Bebop-Stil. Besonders hervorzuheben ist ihre emotionale Tiefe in der Gestaltung der Songs, in die sie sich förmlich hineinkniet und die unterschiedlichen Stimmungen der teilweise von ihr selbst verfassten Songtexte meisterhaft vielgestaltig vorträgt. Intrumentale Bläserparts der Vorlagen verwandelt sie nicht selten in Scat-Vocals, d.h. in wortlos auf Silben gesungene Passagen. In ihrem Vortrag fasziniert zudem die unbeirrbar swingende Leichtigkeit in allen Tempi ohne jede angestrengte Bemühtheit.

Mit Jeanfrançois Prins aus Belgien (Gitarre), Wolfgang Köhler (Piano), Marc Muellbauer (Kontrabass) und Schlagzeuger Heinrich Köbberling agierte ein gleichermaßen hochrangiges Quartett als Judy Niemacks Begleitband. Alle vier Musiker gehören zur ersten Garnitur der Berliner Jazzmusiker, sind in unterschiedlichen Bands aktiv, verfügen über entsprechende Jazzerfahrungen und haben eigene individuelle Spielweisen entwickelt. Jeanfrançois Prins von Wärme gekennzeichneten und lyrisch angelegten Melodielinien wie andererseits sein akzentuiert swingendes rhythmisches Spiel, Wolfgang Köhlers sich auf allen Gleisen der modernen Jazzstilistik bewegendes Pianospiel, sowie Marc Muellbauers rhythmisch und auch melodisch höchst vollendet gespielte Basslinien fügten sich ebenso nahtlos zu Judy Niemacks Gesang wie Heinrich Köbberling als einfühlsamer Rhythmusgeber, in seinen kurzen Soli niemals mit spektakulären Schlagzeuggewittern aufwartend. In den rein instrumentalen Passagen demonstrierte das Quartett hoch professionelle Perfektion wie auch spannungsreiche Dichte im Zusammenspiel. Zudem bewies jeder Musiker enorm inspirierte solistische Kompetenz. Das sehr zahlreiche Publikum dankte Judy Niemack und ihrem Quartett für dieses absolute Highlight mit lang anhaltendem Beifall, nach der obligatorischen Zugabe denn auch mit  „standing ovations“.

Der außergewöhnlichen Arbeit der Musikbibliothek bleibt zu wünschen, dass sie auch noch in kommender Zeit Unterstützung durch den Förderverein der Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf e.V., das Amerika-Haus Berlin und weitere Partner finden möge.

Gerhard Hopfe

Auf dieser Seite kommt der Begriff Kompetenz vor, der im Wörterbuch in leichter Sprache erklärt wird.