Interview Radio Eins mit Niko Schachner
Die Moderatoren Volker Wieprecht und Robert Skuppin im Gespräch mit Niko Schachner.
Mitschnitt Interview Radio 1 vom 19. April, 17:05 Uhr
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Wortlaut des Interviews
Bücher sprechen ja eher selten, das liegt in der Natur der Sache. Ein Potsdamer Student will das jetzt ändern. Niko Schachner hat zum UNESCO Welttag des Buches zahlreiche "Lebende Bücher" eingeladen. Ein Pastor, eine Domina und ein Paralympic - Athlet sollen in der Berliner Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf reden wie ein Buch. Schönen guten Tag Niko Schachner.
Niko Schachner: Hallo.
Also, Bücher sind ja mehr oder weniger ein bekanntes Phänomen. Wir gehen davon aus, dass ein Großteil unserer Hörer schon mit diesem Phänomen in Berührung gekommen ist. Diese Bücher sind aber eigentlich Menschen, richtig?
Niko Schachner: Richtig.
Und die erzählen dann.
Niko Schachner: Genau.
Was erzählen die denn?
Niko Schachner: Die erzählen von Ihrem Leben, von Ihrem persönlichen Engagement und von dem was sie gerade umtreibt. Die Leser oder die Besucher der Bibliothek können kommen und sich diese Leute für eine halbe Stunde ausleihen.
Ausleihen?
Niko Schachner: Ja, ausleihen, so wie Bücher im Prinzip auch.
Kann das nicht zu Missverständnissen kommen, ich denke vor allem an die Domina?
Niko Schachner: Inwiefern Missverständnisse?
Na ja, wenn man sich die für eine halbe Stunde ausleiht ...
Niko Schachner: Vorerst möchten wir an einem Tag in der Bibliothek eine Gesprächssituation schaffen. Wir möchten zwei Leute, die sonst eigentlich nie zusammenkommen würden, zusammen sprechen würden, für 30 Minuten zu einer Begegnung einladen.
Und die stehen dann in Regalen und man kann sie herausnehmen und mit Ihnen in eine Sprechzelle gehen?
Niko Schachner:Nein, so schlimm haben wir es nicht gemacht, wir wollen die Leute ja nicht verletzen. In der Bibliothek stehen Tische und Stühle bereit. Es gibt Kaffee und Kuchen, denn wir wollen eine angenehme Situation schaffen. Wir hoffen natürlich, dass man sich in den Gesprächen besser kennen lernt und so manches Vorurteil abbauen kann.
Gerade gegen Pastoren hat man doch sehr viele Vorurteile.
Niko Schachner:Eventuell schon.
Gegen Dominas ja nicht. Ich möchte noch einmal zu der Domina kommen. Was wird die Domina sagen? So was wie: ungezogener Leser, du Schlimmer oder was würde passieren?
Niko Schachner: Also, die Domina ist im Prinzip...
Hast du sie schon gelesen, die Domina?
Niko Schachner: Ich kenne sie noch nicht persönlich. Ich hatte bisher nur Mailkontakt mit ihr. Ich bin selbst gespannt, ob es gelingt, die gewünschte Gesprächssituation herzustellen. Tatsache ist, dass die "Lebenden Bücher" nicht irgendetwas spielen, sondern sie berichten aus ihrem eigenen Leben, sie reden von ihrem Lebenskonzept, von ihren Lebensläufen, eigentlich von ihren ganz privaten Dingen. Zum Beispiel haben wir eine Greenpeace-Aktivistin eingeladen und eine Mitarbeiterin vom Tierheim Berlin, die mit Hund kommt. Die sollen einfach erzählen, wie sie zu Ihrem Engagement gekommen sind.
Wenn man jetzt da hingeht und das Buch gefällt, kann man das mitnehmen oder kaufen?
Niko Schachner: Nein, erst mal ist es nur in der Bibliothek zu lesen.
Was ist eigentlich der Hintergrund der Aktion? Soll die Lust am Lesen neu geweckt werden, auf andere Art und Weise?
Niko Schachner: Ursprünglich kommt die Aktion aus den skandinavischen Ländern, wo sie beispielsweise auf dem Roskilde Musikfestival öfters angewandt wurde. Und eigentlich geht es darum, seine Vorurteile abzubauen. Allerdings machen wir das in Marzahn mit einem offenen Konzept. Bei uns geht es eher um den Dialog miteinander, um den Ort Bibliothek als öffentlichen Treffpunkt, als Kommunikationszentrum und als einen Ort der Kultur im Bezirk.
Und wenn man keine Fragen hat, dann gibt es auch noch einen Zettel wo mögliche Fragen draufstehen. Aber eine Frage hätte ich dann auch noch. Warum nennt man es dann nicht gleich Gespräch sondern "Leih' Dir ein lebendes Buch"?
Niko Schachner: Weil wir immerhin in einer Bibliothek sind ...
Ahhh
Niko Schachner: ... und natürlich den Bezug zu den Büchern und zu dem Ort Bibliothek herstellen wollen. Die "Lebenden Bücher" bieten sich dafür regelrecht an.
Dann wünschen wir den "Lebenden Büchern", die morgen die Fragen gestellt bekommen, dass keiner versucht sie umzublättern, sondern einfach dem natürlichen Reinfluss jeweils gefolgt wird. Danke Schön! Die lebenden Bücher gibt es morgen von 10 bis 16 Uhr in der Bezirkszentralbibliothek "Mark Twain" Berlin Marzahn-Hellersdorf.
Wir müssen noch ergänzen, 10 bis 13 Uhr ist für Schulklassen reserviert, von 13 bis 16 Uhr stehen die "Lebenden Bücher" für Jedermann zur Verfügung, man muss sich aber anmelden oder sollte es tun, richtig?
Niko Schachner: Man kann auch so kommen. Die meisten Gesprächstermine sind auch schon weg, dreiviertel etwa, aber es findet sich sicherlich immer noch ein lebendes Buch.
Ist die Domina noch frei oder schon weg?
Niko Schachner: Die ist schon weg.
Aha! Ja, dann danken wir Niko Schachner, dem Erfinder vom Ganzen. Danke schön, Niko!
Alles Gute, Tschüß.
Niko Schachner: Danke!
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