Ich hab nichts anzuziehen!

Eine Kurzgeschichte von Renate Zimmermann.

„Ich hab nichts anzuziehen!“

Die Idee zu der Geschichte kam mir heute Morgen, als ich vor meinem Kleiderschrank stand und - wie schon so oft – dieser Gedanke von mir Besitz nahm.

Die Grundaussage ist ja so nicht ganz korrekt, zugegebener maßen.
Es müsste heißen: „Ich habe nichts passendes anzuziehen!“

Mühsam wühle ich mich durch Berge von T-Shirts und Pullovern, aber die Farbe, die ich jetzt bräuchte, ist eben nicht dabei! Na gut, dann muss ich eben auf einen anderen Farbton umschwenken, das hat aber weit reichende Konsequenzen. Wenn ich nun das weiße T-Shirt nehme, kann ich den schwarzen BH nicht anlassen! Und eigentlich würde eine schwarze Hose dazu besser passen als die graue! Die ist mir aber zu weit, also müsste ich da was weiteres anziehen, damit der schlappe Hosenbund nicht so auffällt. Tja, aber was weites Weißes besitze ich nicht, nur die komische Bluse, in der ich aussehe wie eine Krankenschwester.

Hhm, dann ziehe ich eben die beige Hose an, dazu ein etwas dunkleres Oberteil, langärmlig. Obwohl, vorhin im Wetterbericht wurden 28° angekündigt. Dann geht das auch nicht. Also alles noch mal von vorne. Warum eigentlich immer Hosen? Das schwarze Kleid hatte ich doch auch schon lange nicht mehr an.

Mal probieren.

Oh Gott, letztes Jahr hat das doch noch super gepasst?! Jetzt sehe ich darin aus wie eine Presswurst!

Hilfe ich bin zu fett!

Depressionen bahnen sich an. Vielleicht kaschiert ja das Leinenkleid meine üppigen Formen? Doch ungebeten taucht dazu die Erinnerung an den Kommentar meines Sohnes auf:

„Was hast du denn für einen Kartoffelsack an?“

Weg damit.

Und der bunte Rock? Ach so, dazu fehlen mir die passenden Schuhe. Und in den hochhackigen Schwarzen kann ich maximal 10 cm laufen. (Mittlerweile schwenkt man ja auf bequeme Fußbettsandalen um!)

...

Stunde später.

Ich sitze völlig entnervt und verzweifelt inmitten eines Berges von Klamotten, dem Schrankinhalt um mich nun aufgetürmt.

Und ich weiß immer noch nicht, was ich anziehen soll.

Ganz zu schweigen davon, dass ich ja irgendwann mal arbeiten gehen müsste. Aber wie denn, wenn ich nichts anzuziehen habe?


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