Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts
Alle Daten zum Titel
| Titel: | Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts |
| Autor: | Wieland Freund |
| Edition: | Gebundene Ausgabe |
| erschienen: | 2007 |
| ISBN: | 340779925X |
| Preis: | 17,90 EUR |
Beschreibung
Erfreulicherweise mal ein ganz anderes Fantasy-Buch, das man hier in den Händen hält. Eigentlich könnte man es auch als Märchen bezeichnen.
Schauplatz sind eine reale und eine Fantasie-Welt, die durch die Handlung miteinander untrennbar verbunden sind.
Jonas, behütet in ärmlichen Verhältnissen auf einem Bauernhof aufgewachsen, erbt zwölfjährig urplötzlich ein Schloss und ist damit völlig überfordert, zumal so einige unheimliche Personen dies unterbinden wollen.
Jonas gerät in Lebensgefahr und flüchtet durch einen Schrank, der in dem für ihn verbotenen Spielzimmer steht, in die andere Welt. Dort erwachen Spielzeugfiguren zum Leben, und Jonas gerät mitten hinein in aufregende Turbulenzen...
Leseprobe
In der Nacht hatte es wieder gefroren. Die Felder biss der Frost, auf den Äckern klumpten harte Brocken Erde und in den Rinnen und Rillen des zerfurchten Hofs waren die Pfützen noch überfroren. Wie winzige Gletscher lagen sie unterhalb der brüchigen Gipfel, die die Karrenräder aufgetürmt hatten. Man musste nur klein genug sein, um das zu sehen. Die Schweine standen im Koben. Von ihren mächtigen Leibern dampfte es in den Morgen, grunzend drängten sie sich um den Trog. Sie hatten Jonas Nichts schon gesehen. Er war aus der Hintertür gestolpert, seiner Atemwolke hinterher. Seine Holzschuhe brachen krachend das Eis auf den Pfützen und trugen die Gipfel über den Tälern der Spurrillen ab. Die Pampe im Bottich schwappte - Kartoffelschalen, Soßenreste, welkes oder zerkochtes Gemüse, Elsas Küche gab einiges her.
Die Schweine balgten sich schon um die besten Plätze. Über den Misthaufen stakste unbeteiligt der Hahn. Wenn es fror, stank der alte Mist nicht, bald jedoch, wenn Brand zu misten begonnen hätte, würde die feuchte Wärme des neuen aufsteigen wie Nebel. Aber Brand lag noch mit offenem Mund auf seinem Strohsack und dünstete Bier aus. Jonas leerte den Bottich in den Trog, das Grunzen und Schmatzen der Schweine begleitete ihn zurück bis ins Haus. Er strich sich das fransige Haar aus der Stirn, streifte die Holzschuhe ab und lief auf oft gestopften Strümpfen in die Gaststube. Seit vielen Tagen hatte sich niemand mehr in diese Einöde verirrt. Jonas wischte trotzdem Tische und Bänke und streute Stroh auf dem gestampften Boden aus. Dann schlich er sich in die Küche.
Elsa stand schon über das Feuer gebeugt, in einer Schüssel ging Brotteig. Für einen stummen Moment trafen sich ihre Blicke. Elsas Augen waren noch klein, die von Jonas waren so groß und sonderbar wie immer. Sein linkes Auge war grün, sein rechtes von einem durchscheinenden, sehr hellen Blau. Elsa konnte sich nie genug darüber wundern, kaum ein Tag verging, an dem sie nicht davon sprach, aber am frühen Morgen hatte sie für seine »Geisteraugen« noch keine Zeit. Über die zerkratzte Tischplatte schob sie ihm einen Kanten Brot von gestern zu. Sie goss ihm auch einen Becher Milch ein, und Jonas aß und trank, und als er fertig war, holte er den Zettel hervor.
Das Papier war schon ganz brüchig, weil Jonas es immer mit sich herumtrug, und es wäre vernünftiger gewesen, den Zettel in der Küchenbank aufzubewahren, aber das brachte Jonas nicht fertig. Der Zettel und dessen Geschichte waren alles, was er besaß. Vorsichtig strich er ihn glatt, wie immer achtete er darauf, die wenigen Buchstaben nicht zu berühren. Sie waren mit Bleistift geschrieben, und Jonas hatte Angst, sie würden sich abtragen. Schon jetzt war die Schrift ganz blass, ein immer heller werdendes Grau auf dem immer dunkler werdenden Papier. ...
Ausleihmöglichkeit
- Bezirkszentralbibliothek Mark Twain
- Mittelpunktbibliothek "Ehm Welk"
- Erich Weinert Bibliothek
- Stadtteilbibliothek Mahlsdorf
weiterführende Informationen
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