Die Rache des gedruckten Buches

Der technologische Fortschritt schreitet mit schnellen Schritten voran. Aus dem gedruckten Buch werden E-Books, die auf speziellen Geräten gelesen werden können.

Aber wie lange kann man solch ein E-Book lesen?

Wie jetzt bekannt wurde, hat der Internethändler Amazon klammheimlich die Dateien einiger Bücher von den elektronischen Lesegeräten der Besitzer gelöscht.

Der E-Book Besitzer erhielt vorher keine Nachricht von Amazon. Die Löschung geschah einfach so über eine Aktualisierungsfunktion des Gerätes.

So lösten sich die Orwell-Klassiker "1984" und "Animal Farm" und auch Harry Potter einfach auf.

Auch alle vom Leser oder Leserin gemachten Randnotizen und Lesezeichen waren futsch.

Das kann Ihnen bei unseren Büchern nicht passieren.

Unsere Bücher gehen zwar manchmal durch das häufige Ausleihen kaputt, aber sie lösen sich nicht einfach über Nacht auf.

Und was schreibt die Presse dazu?

Mal angenommen, Sie kaufen ein Buch und merken beim Lesen, dass sagen wir mal ab Seite 56 nichts mehr drinsteht - weder Text noch Bilder. Dann wären Sie doch enttäuscht und würden sich vermutlich in der Buchhandlung, wo Sie das Buch gekauft haben und möglicherweise auch noch beim Verlag beschweren bzw. nachfragen, wie der Inhalt, der beim Kauf unzweifelhaft und einwandfrei vorhanden war, nun einfach verschwinden konnte. So ähnlich ergeht es derzeit einigen Besitzern eines digitalen Lesegeräts von Amazon.

netzzeitung 20. Juli 2009

Das Vertrauen in die Seriosität des Unternehmens ist beschädigt, denn wer möchte schon, dass sein Buchhändler - und so fühlt es sich an - nachts um drei im Wohnzimmer steht und die gekauften Bücher wieder mitnimmt.

Sueddeutsche.de, David Steinitz, 22. Juli 2009

Offenbar handelte es sich um ein von Amazon selbst nicht zum Verkauf lizenziertes Piratenprodukt.

So schnell kann die Beziehung zwischen Leser und Buch zwangsbeendet werden - und das ausgerechnet vom Vermittler.

Man muss sich einmal vorstellen: Am Abend schläft man vielleicht noch selig über einem Werk ein, am nächsten Morgen ist es futsch, und statt des Buchs liegen ein paar Münzen im Regal. ...

Dass ausgerechnet Orwells Werke gelöscht wurden und so die Risiken des "gläsernen Lesers" entlarven, entbehrt nicht einer höheren Ironie, auch wenn Nutzer von ähnlichen Erfahrungen mit anderen Werken der Verschwörungsliteratur, von Ayn Rand bis "Harry Potter", berichten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Felicitas von Lovenberg, 20. Juli 2009

Amazon hat ohne Erlaubnis oder Vorwarnung legal gekaufte Bücher von Kindles seiner Leser wieder gelöscht. Darunter ausgerechnet "1984" von George Orwell.

Der Ärger ist gewaltig und lässt ahnen, dass es wirklich ein großer Unterschied sein wird, ob man in der digitalen E-Book-Zukunft etwas schwarz auf weiß besitzt, oder eben nicht.

Handelsblatt, Axel Postinett, 19. Juli 2009

In "1984" lebt die Bevölkerung in einem totalen Überwachungsstaat, der von dem angeblichen Diktator "Großer Bruder" kontrolliert wird. Wie "Big Brother" hat sich auch Amazon aufgeführt, als es die E-Books von den Kindle-Geräten via Synchronisierungsfunktion entfernt hat.

n-tv, kwe, 20. Juli 2009

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