Deutschlands vergessene Kinder

Alle Daten zum Titel

Einband Deutschlands vergessene Kinder
Titel: Deutschlands vergessene Kinder
Autor: Bernd Siggelkow
erschienen: September 2007
ISBN: 3865911870
 

Beschreibung

In Deutschland leben über 2 Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze. Viele von ihnen leiden nicht nur an materiellen Entbehrungen, sondern vor allem an mangelnder Zuwendung und Fürsorge. Bernd Siggelkow, Leiter des christlichen Kinder- und Jugendwerkes "Die ARCHE", hat es sich zur Aufgabe gemacht, dagegen anzugehen.

Für täglich bis zu 700 Kinder ist die Einrichtung ein wahrer Rettungsanker - der Ort, an dem sie wirklich Kinder sein können und sich geborgen fühlen dürfen. Hier bekommen sie neben einer warmen Mahlzeit und vielen sinnvollen Freizeitangeboten das, was ihnen in ihrem oft chaotischen Leben in allererster Linie fehlt: Nestwärme und Aufmerksamkeit.

In diesem Buch finden Sie anrührende, erschütternde, aber auch hoffnungsvolle und zu Herzen gehende Geschichten über Kinder aus der ARCHE.

Zum Beispiel die von Susann, einem sechsjährigen Mädchen, das sich so sehr nach einem Vater sehnt, dass es Bernd Siggelkow bei ihrer ersten Begegnung gleich fragt: "Möchtest du mein Papa sein?"

Oder die Geschichte von Robert, einem neunjährigen Jungen, der sich zu Hause wie ein Erwachsener um seine kleinen Geschwister kümmern muss, aber in der ARCHE Gelegenheit bekommt, selbst wieder Kind zu sein.

Die Geschichten sind mutmachende Beispiele dafür, dass es für die vergessenen Kinder Deutschlands eine Perspektive gibt.

Es war Sonntagmorgen, und ich wollte nur schnell zur Tankstelle, um mir eine Zeitschrift zu kaufen, und dann den freien Tag mit meiner Familie genießen. Vor dem Nachbarhaus spielten zwei Jungs mit einer alten Coladose Fußball. Es war nicht wichtig, ob hier ein Markenfußball zum Einsatz kam - die Kids wollten ihren Spaß, und da tat es auch eine alte, rostige Dose.

Die beiden, die regelmäßige Besucher unseres Kinder- und Jugendzentrums waren, bemerkten mich natürlich. Wir sahen uns fast jeden Tag, spielten, quatschten und verbrachten viel Zeit miteinander. Heute war die ARCHE jedoch geschlossen, und das bedeutete für sie, dass sie ihre Freizeit anders gestalten mussten.

Michael winkte mir zu und rief: "Guten Morgen!" Tobias hingegen rannte mich fast um. "Hallo, Bernd", begrüßte er mich. "Wo gehst du hin?"

Er war gerade sieben Jahre alt geworden, aber zum "Kindsein" hatte er nur wenig Gelegenheit. Seine Mutter war selbst noch ein Teenager gewesen, als er geboren wurde, und vor einigen Monaten hatte sie noch eine kleine Tochter bekommen. Sie hatte wechselnde Lebensgefährten, und so hatte Tobias mal einen "Vater" und mal nicht. Häufig ließ die Mutter ihn mit seiner 28 Schwester allein. Dann musste er auf die Kleine aufpassen, ihr die Windeln wechseln, die Flasche geben und sie manchmal auch trösten. Er musste viel zu früh Verantwortung übernehmen und war deshalb viel reifer als andere Kinder in seinem Alter. Wenn man sich mit ihm unterhielt, hatte man das Gefühl, man spräche mit einem Zehnjährigen, dabei besuchte er gerade mal die erste Klasse.

"Ich gehe zur Tankstelle, um mir eine Zeitung zu kaufen", antwortete ich auf seine Frage. "Dann will ich mit", erklärte er.

Alle meine Versuche, ihn dazu zu überreden, mit seinem Freund weiterzuspielen, misslangen. Tobias wollte mit.

Die Zeitschrift war schnell gefunden und wir standen an der Kasse. "Du, Bernd", sagte Tobias plötzlich, "ich liebe dich!"

Mir lief ein Schauer über den Rücken. So ein Satz, so eine Erklärung von einem siebenjährigen Jungen, der in seinem Leben selbst viel zu wenig Liebe erfahren hatte. Die Kassiererin schaute uns verwirrt an ...

Hörprobe Moechtest du mein Papa sein - Bettina Cramer

Audio Hilfe und Information.

Ich habe nicht nur im Fernsehen über Pastor Siggelkow und die ARCHE berichtet, sondern habe ihn auch zusammen mit meiner Frau in Berlin-Hellersdorf besucht. Jedes Kind kennt er dort mit Namen. Viele von ihnen rennen auf ihn zu und springen ihm in die Arme, weil sie zuhause niemand auffängt. Die Türen stehen offen - jedes Kind darf ihn immer besuchen. Hier wächst der Glaube, dass es keine 'hoffnungslosen Fälle' gibt ... In dieser Arbeit für die ARCHE sollten wir ihn so viel und so oft wie möglich unterstützen.

Günther Jauch, Journalist & TV-Moderator

Die ARCHE ist ein hervorragendes Beispiel für tätige Nächstenliebe. Sie hilft Kindern, Jugendlichen und auch Eltern. Doch die Kinder finden dort viel mehr: Pfarrer Siggelkow und seine Mitarbeiter geben ihnen menschliche Wärme und Zuwendung. Das brauchen sie manchmal mehr als alles andere.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin, Zitat aus "Bild am Sonntag"

Die Lebensgeschichten der Arche-Kinder sind aber nicht nur anrührend, sondern auch eine Anklage der Gesellschaft. Das betont Günther Jauch in seinem Vorwort zum Buch: Die Arche zeige, dass der Staat die Probleme immer weniger zu lösen imstande sei.

Die Welt

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