BVG
Eine Kurzgeschichte von Renate Zimmermann. Geschrieben am 1. April 2009.
Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann sehr unterhaltsam sein, wenn man ein offenes Ohr für seine Mitmenschen hat.
So hatte ich innerhalb einer Woche folgende bizarren Erlebnisse.
Der Bus war sehr voll und eine junge blonde Frau stand im Türbereich. Der Bus stand ebenfalls. Die Verwunderung über den Stillstand stieg von Sekunde zu Sekunde, bis der Busfahrer die Hoffnung aufgab, dass sich ohne ein erklärendes Wort seinerseits die Situation entwirrt.
Er bat darum, den Türraum freizuhalten. Wieder passierte ein Weilchen nichts.
Er versuchte es nochmal, aber nun etwas deutlicher: "Die zweite Tür bitte freihalten! Dies gilt vor allem für die hübsche blonde Frau. Die zweite Tür ist die, die nach der ersten kommt." Nun fühlte sich besagte Person zwar angesprochen, war aber sichtlich empört, weil sie nicht wusste, wohin sie ausweichen sollte. Deshalb blieb sie einfach da stehen, wo sie war. Alle warteten gespannt auf die Fortsetzung und wurden nicht enttäuscht.
"Junge Frau, die Tür hat eine Lichtschranke. Solange sich jemand in diesem Bereich befindet, geht die Tür nicht zu. Und wenn Tür nicht zu - Bus nicht fährt!"
Schließlich fanden sich doch noch 20 cm² für die Türsteherin, der Bus konnte starten und alle freuten sich. Da sage nochmal jemand was Schlechtes über unsere Busfahrer!
Zweiter Schauplatz: Straßenbahn. Junge Frau mit Rad steigt ein, das einer etwas älteren Dame an die weiße Hose kippt. Diese reagiert sehr ungehalten, vor allem, weil die andere eine Entschuldigung gar nicht in Erwägung zieht. Die Heftigkeit der Verbal-Attacken nimmt zu, und an den Gesichtern der im unmittelbaren Umfeld Sitzenden kann man wachsendes Interesse ausmachen. Nicht lange, und es mischt sich eine Dritte ein, die wiederum die beschmutzte Dame beschimpft, obwohl sie erst später zugestiegen ist und gar nicht weiß, worum es geht. "Abschaum, das ist doch Abschaum!", zieht sie Bilanz, während sie sich durch eine in diesem Moment eingestiegene Frau provoziert fühlt. "Haben Sie ein Problem mit mir?!!" Da fällt einem spontan nur ein: Zickenalarm!
Die dritte Begebenheit bezieht sich auf das leidige Telefonieren in der Bahn. Ich mach's ja auch manchmal, aber ich bemühe mich um kurze und vor allem leise Gespräche. Nicht so der junge Mann, der im breitesten Sächsisch ausgiebig und für alle zum Mithören so ca. 50 min. über sein schwules Sexualleben diskutierte. Er beschwerte sich bei seinem Gesprächspartner über seinen misstrauischen und eifersüchtigen Freund und dass diesem der Sex mit ihm keinen Spaß mehr mache.
Absurderweise war mir sein Verhalten peinlich, während er kein Problem damit zu haben schien, dass er nun ca. 30 Fahrgäste in seine Partnerschaftsprobleme mit eingeweiht hatte.
Leute, ich kann Euch nur raten : wenn Ihr was erleben wollt, dann verkauft Euer Auto!
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